Führung des Radverkehrs auf kurzen Ortsdurchfahrten
Generelle Beschreibung
Die Bergische Universität Wuppertal, vertreten durch das Fachzentrum Mobilität und Verkehr (LuFG Straßenverkehrsplanung und Straßenverkehrstechnik sowie LuFG Radverkehr), führt im Auftrag der Bundesanstalt für Straßen- und Verkehrswesen (BASt) ein innovatives Forschungsvorhaben durch. Das Projekt widmet sich der Optimierung der Radverkehrsführung in kurzen Ortsdurchfahrten – einem zentralen Baustein für die Förderung des Radverkehrs im ländlichen Raum und die Erreichung der Klimaschutzziele Deutschlands.
Ortsdurchfahrten, insbesondere in ländlichen Gebieten, stellen eine besondere Herausforderung für die sichere und effiziente Führung des Radverkehrs dar. Häufig sind sie durch historisch gewachsene Querschnittsengstellen, variierende Breiten und komplexe Übergangsbereiche zwischen inner- und außerörtlichen Straßen geprägt. Bisher fehlen jedoch bundesweit einheitliche Empfehlungen, wie der Radverkehr in solchen kurzen Ortsdurchfahrten idealerweise gestaltet werden sollte – insbesondere vor dem Hintergrund begrenzter Flächen, hoher Verkehrsbelastungen und rechtlicher Rahmenbedingungen (z. B. Straßenverkehrs-Ordnung, Baulastträgerschaft).
Das Projekt untersucht daher bestehende Radverkehrsführungsformen (z. B. Schutzstreifen, Geh- und Radwege, Piktogrammketten) sowie innovative Lösungsansätze wie schmale Kernfahrbahnen in Kombination mit Schutzstreifen. Ziel ist es, praxistaugliche Handlungsempfehlungen für Planende zu entwickeln, die eine sichere, akzeptierte und verkehrsrechtlich konforme Führung des Radverkehrs ermöglichen. Dabei werden sowohl technische Regelwerke (RASt, RAL, ERA) als auch länderspezifische Erlasse und internationale Best Practices berücksichtigt.
Projektdurchführung
Wissenschaftliche Aufarbeitung des Status quo:
Systematische Analyse der rechtlichen, technischen und verkehrsplanerischen Rahmenbedingungen für Radverkehrsführungen in kurzen Ortsdurchfahrten – inklusive der Abgrenzung des Begriffs „kurze Ortsdurchfahrt“ und der Identifikation typischer Gestaltungsmerkmale.
Empirische Erhebungen und Simulationen:
Durchführung von Unfallanalysen, Verkehrserhebungen und Verhaltensstudien an mindestens 30 ausgewählten Ortsdurchfahrten in ganz Deutschland. Mittels mikroskopischer Simulationen (SUMO) werden zudem Verkehrsabläufe modelliert, um Einsatzgrenzen und Sicherheitsindikatoren für verschiedene Führungsformen zu bewerten.
Ziele
Entwicklung von Handlungsempfehlungen:
Erarbeitung einer praxistauglichen Handreichung mit Entscheidungsbausteinen für Planende, die bei der Auswahl der passenden Radverkehrsführung unterstützt. Diese umfasst:
- Einsatzkriterien für Regel- und Sonderlösungen (z. B. Schutzstreifen mit schmalen Kernfahrbahnen, Piktogrammketten).
- Gestaltungsvarianten für Ortseingangsbereiche und Engstellen.
- Technische Zeichnungen als Grundlage für zukünftige Anpassungen von Regelwerken (RASt, ERA, RAL).
Transfer in die Praxis:
Die Ergebnisse werden in Expertenworkshops mit Vertretern aus Straßenbauverwaltungen, Kommunen und Verbänden diskutiert und in einer Kurzinformation „Praxis kompakt“ für Verkehrsplanende aufbereitet. Zudem werden Textbausteine für Regelwerke erarbeitet, um die Forschungserkenntnisse langfristig in die Planungspraxis zu integrieren.
Zuwendungsgeber
Das Projekt wird von der Bundesanstalt für Straßen- und Verkehrswesen (BASt) gefördert und ist Teil der Forschungsinitiative des Bundesministeriums für Digitales und Verkehr (BMDV) zur Stärkung des Radverkehrs in Deutschland.
Dauer
01. März 2026 bis 30. August 2028
Kontakt
Fachzentrum Mobilität und Verkehr der Bergischen Universität Wuppertal
Univ.-Prof. Dr.-Ing. Jürgen Gerlach
gerlach[at]uni-wuppertal.de
+49 (0)202 / 439 4088
Univ.-Prof. Dr.-Ing. Heather Kaths
kaths[at]uni-wuppertal.de
+49 (0)202 / 439 4433